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Bis zur Nazizeit hatte die Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin zwei Gemeindezentren in der Hauptstadt: Das erste und im Bezirk Mitte von Berlin heute weiter bestehende in der Tucholskystrasse, die damalige Artilleriestrasse, das zweite in der Straße Siegmundshof (kurz "Siegmundshof") im Bezirk Tiergarten, am Spreeufer, neben der Achenbachbrücke, wenige Meter von der Wullenweberwiese, fünf Minuten Gehentfernung vom S-Bahnhof Tiergarten gelegen. In einem von der Gemeinde erworbenen und umgebauten Atelierhaus war 1924 die Grundschule, das Mädchenlyzeum und das Gymnasium der Adass Jisroel, kurzum das sogenannte Schulwerk, sowie eine zweite Synagoge und weitere Gemeindeeinrichtungen (Verwaltung, Bibliothek, Rabbinatsbüros) untergebracht worden. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht zwar weder angezündet noch geplündert doch die G’ttesdienste waren fortan verboten. Bis 1942/3 fanden sporadisch noch G’ttesdienste in Privatwohnungen statt. Die Schulen wurden 1938/39 geschlossen, bis zum Jahre 1941 fand in den Schulräumen noch eine Art Berufsschulunterricht statt. Danach übernahmen das Reichsluftfahrtministerium und die heute noch bestehende KPM, Königliche Porzellanmanufaktur, das Gebäude.

Die Gemeindestätte überstand die Nazi- und Kriegszeit zwar beschädigt, stand aber am Ende des Krieges noch in ihrer gesamten Fläche aufrecht. In den 50er Jahren wurde das Gemeindezentrum Siegmundshof von Verwertungsorganisationen veräußert und anschließend geschleift. Kein Zeichen kundete mehr von der Existenz eines blühenden jüdischen Gemeindezentrums. Am 9. September 1985, am 100. Jahrestag der kaiserlichen Zulassung der Adass Jisroel durch das preußische Königshaus, fand an dieser Stelle eine erste Gedenkstunde in Anwesenheit des Bezirksbürgermeisters von Berlin-Tiergarten, Hans-Martin Quell und anderer Persönlichkeiten, Rabbiner Pinchas Biberfeld s.A., Rabbiner David Weiss, Rabbiner Ernst Stein, Vorsitzender Ari A. Offenberg s.A., Vertreter des Senatsprotokolls u.a. statt. In Anwesenheit zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens und Würdenträger sowie Gemeindemitglieder und Freunde aus dem In-und Ausland wurde dann, am 25. Juni 1986 an dieser Stelle ein Mahnmal mit dem Titel "Gedenke" aufgestellt. Erew Rosch Haschaná (Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes) 5759, am 17. September 1998 wurde schließlich neben dem Mahnmal durch den Bezirksbürgermeister Jörn Jensen und dem Gemeindevorsitzenden Ari A. Offenberg s.A. eine Gedenktafel in deutsch, hebräisch und englisch enthüllt, mit der das Andenken der einst im Siegmundshof wirkenden, dann ermordeten Mitglieder, Lehrer und Schüler geehrt wird.