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Adass Jisroel
27. August 2010

Umgebettete Gräber gepflegt : Spandauer Volksblatt berichtet über Friedhofspflege in den Schülerbergen

Spandauer Volksblatt • 7. Juli 2010 • Seite 6

Mit freundlicher Genehmigung der Berliner Wochenblatt Verlag GmbH, Redaktion Spandauer Volksblatt

 

"[...] Der Förderverein der Jugendgeschichtswerkstatt hat Kontakt aufgenommen zur jüdischen Gemeinde Addas Jisroel, um die 1939 auf deren Friedhof an der Wittlicher Straße 14 in Weißensee umgebetteten Gräber Spandauer Juden zu pflegen.

Wer durch das Tor auf den Friedhof der orthodoxen jüdischen Gemeinde kommt, kann sich der Faszination scheinbar unzähliger Grabsteine nicht entziehen. Die meisten von ihnen sind leicht geneigt. Wegen der Umsturzgefahr ist der Friedhof für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Angehörige dürfen nur in Begleitung von Friedhofsmitarbeitern auf das Gelände. „Rund 3000 Menschen sind hier begraben“, sagt Mario Offenberg, Vorsitzender von Adass Jisroel, die neben der Jüdischen Gemeinde zu Berlin existiert. Zu DDR-Zeiten war er nicht nur beinahe vergessen, auf einem Teil des Geländes sollte ein Gebäude für die Staatssicherheit entstehen. Dazu kam es mit dem Ende der DDR nicht mehr. Auf einem Teil des Geländes sind Spandauer Bürger begraben. Sie sollten eigentlich ihre letzte Ruhe auf dem damaligen jüdischen Friedhof in den Schülerbergen finden, gegenüber vom heutigen Eingang des Vivantes-Klinikums an der Neuen Bergstraße. Doch die Deutsche Wehrmacht, die neben dem seit dem 19. Jahrhundert existierenden Friedhof eine Kaserne errichtet hatte, wollte auch dieses Gelände für sich nutzen. 1939 schließlich wurden die Gräber auf den Friedhof in Weißensee umgebettet – für gläubige Juden eine schlimme Erfahrung, denn jüdische Gräber sind für die Ewigkeit gemacht. Immerhin entgingen die Gräber der Zerstörung, darunter mehrere der bekannten Spandauer Kaufhausfamilie Sternberg. Mario Offenberg ist sich sicher, dass die Zerstörung der Gräber deshalb von den nationalsozialistischen Machthabern vermieden wurde, weil die Zerstörung den vor der Bevölkerung letztlich doch verharmlosten Holocaust, die Vernichtung des Judentums, in letzter Konsequenz offenbart hätte. Jetzt also bemühten sich Schüler zweier Leistungskurse Geschichte des Carl-Friedrich von-Siemens-Gymnasiums im Rahmen eines Projekttages, die zum Teil überwachsenen Gräber ehemaliger Spandauer freizulegen. „Wir machen regelmäßig Gedenkstättenfahrten, und wir arbeiten eng mit der Jugendgeschichtswerkstatt zusammen“, sagt Lehrer Michael Franz. Für den Förderverein der Jugendgeschichtswerkstatt hofft Ulrich Steinke auf weitere Kontakte zwischen Spandauern und der Gemeinde Adass Jisroel, gerade auch, um die Gräber weiter zu pflegen und das Schicksal dieser Menschen zu erforschen. Der Kontakt kann über die Jugendgeschichtswerkstatt unter Tel. 33 60 76 10 hergestellt werden. [...]"

 

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