• Grafik
  • Grafik

Adass Jisroel
05. November 2017

Traurige Erinnerungen – Schöne Worte – Böse Worte

Zum 9. November 2017 – 79. Jahrestag des Pogroms von 1938

 

Anlässlich des Jahrestags der Pogromnacht vor 79 Jahren, bei der die Synagogen zerstört, die Geschäfte geplündert und die Menschen geschlagen, eingesperrt und getötet wurden, gedenken wir den Millionen Schwestern und Brüdern,  die in dieser Nacht sowie in den darauffolgenden sieben Jahren entrechtet, verfolgt und umgebracht wurden.

 

Die Juden wurden nicht nur deshalb ermordet weil die Nazipartei so stark oder Hitler so grausam war. Der Genozid an den Juden wurde möglich weil die Mehrheit der Deutschen dies so wollte und, außer vereinzelten Ausnahmen, nichts dagegen tat.

 

Auch der gesamte Vorstand unserer Gemeinde Adass Jisroel wurde in dieser Nacht verhaftet und ins Konzentrationslager Oranienburg verbracht; einige Mitglieder wurden nach einigen Monaten entlassen, andere nie mehr. Sowohl die Adass Jisroel als auch die Jüdische Gemeinde zu Berlin wurden in den folgenden Monaten und Jahren zerschlagen, ihre Menschen deportiert, versklavt und getötet. Die Mitglieder beider Gemeinde gingen ohne Unterschied gemeinsam den letzten Weg.

 

Der Massenmord bleibt unentschuldbar, der Verlust einzigartig; in der Sprache unserer Talmud-Weisen: Wir trauern um den Verlust der Lieben und behalten sie in unserer Erinnerung.

 

Damit dass neuerdings Deutschnationale, Rassisten und Antisemiten in dem Parlament, in dem der deutsche Souverän residiert, wieder einziehen würden, damit haben Juden in Deutschland nicht mehr gerechnet. Unsere Antwort darauf kann nur erneut die Bejahung des jüdischen Lebens, die Pflege der unverwechselbaren Gemeindetradition, die Stärkung unserer Institutionen und unserer Arbeit sein. Nach zwei Diktaturen und der völligen Zerstörung aller Gemeindestrukturen keine leichte Aufgabe.

 

Dass nach all dem Geschehen Deutschland das Jüdische Gemeindeleben unterstützt ist wohl eine Selbstverständlichkeit.

 

Wirklich?

 

Die Verpflichtung in der Koalitionsvereinbarung der Berliner Landesregierung zwischen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen für die jetzige Legislaturperiode 2016-2021 lautet:

 

Berlin trägt als Hauptstadt, in der der Holocaust geplant und organisiert wurde, eine  besondere Verantwortung für die Förderung des jüdischen Lebens in Berlin. Die  Koalition bekennt sich zur Förderung jüdischen Lebens und Kultur und jüdischer Glaubensgemeinschaften.“

 

Selbstverständliche Sätze.

 

Jedoch so lange mit Kenntnis und Duldung der Landesregierung in Berlin vor aller Augen ein jüdischer Friedhof verkommt, ein jüdisches Gemeindehaus zerbröselt, religiöse, kulturelle und soziale Arbeiten boykottiert werden, solange dies so weiter gemacht wird, so lange wird man Adass Jisroel nicht übel nehmen, dass die Gemeinde - und gerade am 9. November - sich an das böse Wort erinnert fühlt „Welche Jüdische Gemeinde ich fördere – das bestimme ich“.

zurück zu den Neuigkeiten