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Adass Jisroel
14. Januar 2015

Pressemitteilung vom 14. Januar 2015 / 23. Tewet 5775

Sollen Juden Deutschland verlassen?

 

Dienstagabend haben wir uns alle am Brandenburger Tor versammelt, uns die gegenseitige Solidarität von Juden, Christen und Moslems vergewissert und den gemeinsamen Abscheu vor dem Terrorismus bekundet. Nun aber: Terror lauert. Juden sollen besser ihre Koffer packen und Deutschland verlassen?
 
Auf den ersten Blick mutet diese Haltung an wie ein verständlicher Pawlowscher Reflex, auf eine Situation, die, ganz klar, Angst einflösst. Eigentlich handelt es sich aber um eine Kapitulation vor dem Terror. Eine jüdische Fluchtbewegung ist wohl der heißeste Wunsch von Antisemiten und Rassisten. Das was Auschwitz nicht vollständig erledigte soll Al Kaida, der Islamischer Staat und alle sonstigen Terroristen und deren Claqueure zu einem schlechten Ende bringen. Was tun? Der heutige Antisemitismus ist mit jenem der 30er und 40er Jahre nicht gleichzusetzen, die europäischen Staaten mit Deutschland an deren Spitze, waren nazistische, faschistische, totalitäre Regime deren erklärte Staatspolitik die Entrechtung und Vernichtung der Juden war. Demgegenüber ist Europa heute, mit Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien an hervorragender Stelle, ein Kontinent in dem Demokratie, Freiheit und Menschenrechte fest verankert sind und von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung getragen werden. Die unfreiwillige Botschaft des Aufrufs zur Auswanderung ist kontraproduktiv. Deutschland sei nicht fähig, womöglich auch nicht willens?, den antijüdischen Dschihadismus zu bekämpfen und Juden  zu schützen. Diese Botschaft ist trügerisch. Auswanderung ist ein Menschenrecht, eine Alternative, die immer möglich sein muss. Aber Auswanderung sollte eine Alternative aus der Wahl und nicht aus der Angst sein. Die jüdische Gemeinschaft darf nicht geschwächt, sondern muss bestärkt und gestärkt werden. Dazu gehört zwingend, dass die am Brandenburger Tor von Staat und Gesellschaft zugesagte Solidarität der Worte bitte auch tatsächlich, praktisch, erlebbar und nachhaltig eingelöst wird. Und zwar noch in unseren Tagen.

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