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Adass Jisroel
29. Juni 2012

Pressemitteilung Adass Jisroels: Verehrte Frau Bundeskanzlerin, auch die Existenzsicherung jüdischen Lebens sollte Staatsräson Deutschlands sein

 

 

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PRESSEMITTEILUNG DER JÜDISCHEN GEMEINDE ADASS JISROEL

 

 

 Verehrte Frau Bundeskanzlerin: Auch die Existenzsicherung jüdischen Lebens sollte Staatsräson Deutschlands sein

 

 

(„LG Köln fällt wegweisendes Urteil: Brith Milá unter Strafe.“)

 

 

Die Jüdische Gemeinde Adass Jisroel zu Berlin empfindet die Entscheidung des Landgerichts Köln, die religiös bedingte Beschneidung (die „Brith Milá“) unter Strafe zu stellen als - einen in der Nachkriegszeit - präzedenzlosen Angriff auf einen elementaren Bestandteil jüdischen Lebens. Unfreiwillig ist dieses Urteil aber auch ein rechtlich sanktioniertes Signal, das dazu geeignet ist, in der deutschen Gesellschaft antisemitische Tendenzen zu legitimieren.

Die Beschneidung jüdischer Jungen, bei gesundheitlicher Unbedenklichkeit i.d.R. am 8. Tag nach der Geburt, ist seit jeher, ob in der wilhelminischen Zeit, in Preußen, in der Weimarer Republik, sogar in der DDR und bisher in der Bundesrepublik Deutschland ein selbstverständliches, ein beachtetes, unveräußerliches Recht jüdischer Menschen im Rahmen deren Selbstbestimmung und Rechts auf freie Religionsausübung gewesen.

Da dieser Bestandteil jüdischen Lebens jetzt unter Strafe gestellt wird, wird nicht nur an dieser Stelle jüdisches Leben eingeschränkt, zugleich  wird unwillkürlich damit der Boden für andere antijüdische Entwicklungen geebnet. Nachahmungsbeispiele?: Tierschützer fordern ein Verbot der koscheren Schächtung, Naturfreunde fordern die Verwertung geschlossener jüdischer Friedhöfe; Bildungsinteressierte fordern Abschaffung des Dispens jüdischer Schüler bei Klassenfahrten und Veranstaltungen am Schabbat; Gleichbehandlungskämpfer wollen die bisherige Praxis der Freistellung jüdischer Schüler, Angestellte und Beamte an jüdischen Feiertagen beenden.

 

Verehrte Frau Bundeskanzlerin,

nach 6 Millionen umgebrachter Juden sollte nicht nur das jüdische Existenzrecht in Israel, sondern bitte auch die Existenzsicherung jüdischen Lebens in Deutschland Staatsräson sein. Bei allem Respekt für die Unabhängigkeit deutscher Gerichte wäre es von Bedeutung, in dieser Sache von Ihnen eine unmissverständliche Stellungnahme zu erhalten.

 

 

Berlin, 27. Juni 2012 / 7. Tamus 5772

 

 

Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin, K.d.ö.R., gegr. 1869. 
Tucholskystr. 40  ~  10117 Berlin (Mitte). Tel.: (+49 30) 281 31 35 ~ Fax: (+49 30) 281 31 22.

 

 

 

 

Hintergrundinformation

 

Wieso ist die Brit Mila konstitutiv im Judentum?

Die Beschneidung ist das erste Gebot, das, nach Genesis 17:1, der jüdische Stammvater Abraham von G"tt erhalten hat. Es gilt bis heute als eines der fundamentalen Gebote im Judentum. Die jüdischen Weisen sagen, dass es als eines der wichtigsten aller Gebote gilt.  (In der Torah wird das Wort "Brit" - Hebr.: Bund, 13-mal in Zusammenhang mit Beschneidung erwähnt.)

 

 

Wieso findet die Brit Mila am 8. Tag nach der Geburt statt?

Der Bund zwischen G"tt und dem jüdischen Volk impliziert, dass die Beschneidung zum frühest möglichen Zeitpunkt im Leben eines Menschen durchgeführt werden soll. Die Torah legt fest, dass dies exakt am achten Tag nach der Geburt sein sollte.

 

 

Wieso ist die Brit Mila unverzichtbar?

Die Milah ist das eigentliche Zeichen für die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft. Bezeichnenderweise wurde zu unterschiedlichen Epochen der jüdischen Geschichte immer wieder versucht, den Juden deren Durchführung zu verbieten.

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