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Adass Jisroel
07. Februar 2014

Grußwort des Vorstands der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin anlässlich von Medienberichten über die Ausrufung einer neuen Gemeinde

In der deutschen Hauptstadt Berlin existieren heute zwei jüdische Religionsgemeinden: Die 1712 entstandene Jüdische Gemeinde zu Berlin mit Hauptsitz in der Oranienburger Straße und die 1869 gegründete Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin mit Hauptsitz in der Tucholskystraße (ehemals Artilleriestraße), beide Berlin-Mitte. Wie alle anderen jüdischen Institutionen in Deutschland wurden auch diese beiden Gemeinden in der Nazizeit zerschlagen und ausgeplündert, deren Mitglieder entrechtet und verfolgt, vertrieben, verschleppt, ermordet. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin musste im September 1951 formal neu gegründet werden, die Adass Jisroel konnte ihre Tätigkeit Mitte der 1980er Jahren wieder aufnehmen und wurde 1997 durch ein höchstinztanzliches Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wieder als altkorporierte Religionskörperschaft des öffentlichen Rechts, in ihrer Rechtsidentität und Rechtskontinuität mit der Vorkriegsgemeinde, bestätigt. Beide Gemeinden sind religiös, kulturell und sozial für ihre Mitglieder und zum Wohle des jüdischen Lebens in Berlin tätig.

 

Thorabegriffe, wie etwa das Wortgespann „Adass Jisroel“ (jüdische Gemeinschaft) sind genauso wenig copyrightgeschützt wie die Möglichkeiten, welche historischen Überlieferungen man jeweils evozieren oder pflegen möchte. Die Berufung auf Bräuche und Sitten sowie die Wahrnehmung der verfassungsmäßig verbrieften Religionsfreiheit finden aber dort ihre Grenzen, wo elitärer Alleinvertretungsanspruch zu einer Negation Anderer führt. Sich auf Gemeindetraditionen zu berufen, kann kein Freibrief sein, um sich als „wahre“ Sachwalter (mit verborgenen Übernahmephantasien) zu gerieren. 

 

Das Bekenntnis zum Dialog und zur Verständigung - zum Wohle des jüdischen Lebens und zum Wohle der Allgemeinheit - war für die Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin stets ein selbstverständliches Gebot. Und so ist es weiterhin. Getreu der Maxime, dass man im jüdischen Volk füreinander verantwortlich ist, wird die Gemeinde weiterhin jede wohlmeinende Initiative begrüßen, die unter Achtung der tatsächlich, wie rechtlich bestehenden Strukturen, sich für gegenseitige jüdische Verantwortung und für Kooperation engagieren möchte.

 

In diesem Sinne:

 

Herzlich willkommen im jüdischen Berlin!

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